Dienstag, 22. Mai 2018

Wie ätherische Öle im Alltag helfen. Teil 2: Raus aus der Strenge & rein ins Glück

Dieser Blog richtet sich an alle, die ihr eigenes Wohlbefinden und das ihrer Lieben auf natürlichem Wege verbessern möchten. 
Ätherische Öle wirken über den Geruch, den Kontakt mit der Haut, einige Öle können auch eingenommen werden. 
Ich berichte hier in regelmäßigen Abständen davon, welche Ölen mir geholfen haben, bestimmte herausfordernde Momente des Alltags zu meistern.* Dabei beziehe ich mich ausschließlich auf die Öle von doTERRA mit zertifiziertem therapeutischem Reinheitsgrad.


Ylang Ylang - Öl für kindliche Neugierde und gute Laune

Unauffällig, ja geradezu unscheinbar kommen die Blüten von Ylang Ylang daher. Ich hätte sie auf Bali glatt übersehen, wenn unser Tourgide Putu mich nicht mit der Nase darauf gestoßen hätte. "Für uns ist Ylang Ylang die Pflanze der ewigen Schönheit", erklärt er. "Sie verströmt ihren betörenden Duft nämlich sogar dann noch, wenn sie längst verblüht vom Baum gefallen ist." 



Je nach Verarbeitungsprozess changiert der Duft zwischen süß-blumig bis holzig - weltbekannte Parfüm-Kreateure haben sich den intensiven Geruch schon vor langer Zeit zu Nutze gemacht. So ist das Ylang-Ylang-Öl eine der Grundduftnoten in Chanel Nr. 5.

In ihren Herkunftsländern Indonesien und den Philippinen gilt Ylang Ylang darüber hinaus als wichtige Heilpflanze. Sie ist in der Lage, verschiedene Hormone in unserem Körper zu beeinflussen. So kann sie beispielsweise die Ausschüttung von Serotonin ankurbeln, einen Botenstoff, der im Mangel für innere Unruhe oder Schlaflosigkeit verantwortlich ist. 

Ylang Ylang soll ebenfalls Einfluss auf das Hormon Enkephalin haben, ein körpereigenes Schmerzmittel, das eng mit den Opiaten verwandt ist. Haben wir davon zu wenig, dann fühlen wir uns gereizt und niedergeschlagen. Ausbalanciert kann es das Selbstvertrauen und die Leistungsfähigkeit erhöhen. 

Und dann wäre da noch das "Glückshormon": Ylang-Ylang gilt als Katalysator für die Endorphine, die uns helfen, gut gelaunt und optimistisch durchs Leben zu gehen. 

Auf der körperlichen Ebene kann Ylang Ylang zum Beispiel dabei helfen, den Blutdruck zu regulieren, Krämpfe und Menstruationsbeschwerden zu lindern. Außerdem wird dem Öl eine stark aphrodisierende Wirkung nachgesagt. (Ylang-Ylang-Blüten wurden Paaren vor der Hochzeitsnacht aufs Bett gestreut.)

Ich diffuse Ylang-Ylang, wenn mir mein verspielter, kindlicher Anteil abhanden kommt, wenn ich aus übertriebener Vorsicht mal wieder nur dem Verstand das Zepter in die Hand gebe. Der süßliche, leicht schwere Duft bringt mich genau dahin, wo Raum ist für Neugierde, Offenheit und viel mehr Leichtigkeit.




Diffuser-Mischung für einen klaren Geist:

3 Tropfen Weihrauch
3 Tr. Ylang Ylang
2 Tr. Zedernholz
5 Tr. Wilde Orange

Möchtest Du das Ylang-Ylang-Öl testen? Dann schreibe das einfach in die Kommentarspalte unter meinem Artikel bei Facebook.
Wenn Du nicht bei FB bist, dann hinterlasse einen Kommentar direkt hier unter dem Blogbeitrag!


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Ätherische Öle ersetzen weder den Arzt noch den Therapeuten. Sie sind reine Ergänzungen für das Wohlbefinden im Alltag und selbstverständlich nicht dazu geeignet, Krankheiten zu heilen.

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Mittwoch, 16. Mai 2018

Neue Serie: Asana ABC - Yogaposen im Überblick

1. Anahata Asana: Offenes Herz - weiter Geist

Lebensfreude, Vertrauen und das wärmende Gefühl von Verbindung: Für diese elementaren Bedürfnisse steht Anahata, das Herzchakra. Ganz zentral in der Mitte der Brust gelegen ist dieser Bereich verantwortlich für unsere Emotionen und die Fähigkeit, uns einzulassen. 

Anahata Asana gehört zur Stellungsgruppe der Rückbeugen. (Bei den Rückbeugen wird die Brustwirbelsäule nach hinten gestreckt, so wird der Brustkorb geweitet sowie u.a. der Lungen- und Herzbereich gedehnt.) 



Vorbereitend für intensivere Rückbeugen werden in Anahata Asana die Brust- und Schulter-Muskulatur geöffnet, außerdem wird der ganze Körper vitalisiert und das Nervensystem belebt.  

Und so geht's:

Strecke aus dem Vierfüßlerstand die Arme weit nach vorne (Achtung: das Becken bleibt dabei über den Knien). Lege die Stirn am Boden ab.

Die Hände sind schulterweit geöffnet, die Achselhöhlen leicht gehoben - nun lass den Herzraum in Richtung Boden schmelzen. 

Nimm die vorderen Rippen sanft zurück und aktiviere etwas das Zentrum, um unnötigen Druck auf der Lendenwirbelsäule zu vermeiden.

Steigerung: Wenn die Halswirbelsäule sehr gesund ist, dann kann vorsichtig das Kinn auf der Matte aufgestellt werden.

5-10 Atemzüge verweilen.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Yin & Yang Retreat auf Bali. Reisetagebuch. Teil 5

Vertrauen ins Leben


Ein großes schwarzes Loch, so lässt sich wohl am ehesten meine Gefühlslage direkt nach dem Ende unseres intensiven Yoga-Retreats auf Bali beschreiben. Wolfgang und ich waren uns einig, zwei Tage in einem schicken Hotel würden helfen, vor dem Heimflug unsere Energiereserven wieder aufzufüllen. Also freuten wir uns auf Schirmchen-Drinks, Massagen und Faulenzen am Pool.

Aber es kam zunächst, wie es immer kommt, wenn wir sicher sind, dass wir im Außen perfekt durchgeplant haben – nämlich völlig anders. Nachdem alle Teilnehmer der Yogagruppe verabschiedet waren, niemand mehr unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge brauchte, konnte ich die herbeigesehnte Stille nur schwer ertragen.

Und Sanur, unser letztes Reiseziel auf Bali, war auch noch das Gegenteil von dem, was wir uns erträumt hatten. Das Hotelzimmer eine riesige, muffig-dunkle Garage, direkt gegenüber eine ambitionierte Reggae-Bar. Die Massage-Preise im Hotel-Spa waren unverhältnismäßig hoch und der ganze Ort wirkte wie eine Art balinesischer Ballermann.

Zehn Tage lang hatten wir zuvor mit unseren Yoga-Schülern geübt, in die Selbstfürsorge zu gehen. Dafür hatten wir immer wieder trainiert, jeden Gedanken, jedes enge Gefühl, jeden Widerstand da sein zu lassen, vollständig zu akzeptieren, statt alles sofort weghaben zu wollen. (Ich werde in meinem nächsten Blog-Beitrag noch ausführlicher über unsere Erfahrungen mit der buddhistischen Praxis der liebevollen Güte – metta oder maitri berichten.) Und nun fühlte ich mich selbst heillos überfordert, war genervt, schielte schon mal nach einem möglichen Schuldigen im Außen, wollte nur noch nach Hause und ging mir mit all dem selbst fürchterlich auf die Nerven.

In dem am wenigsten willkommenen Moment liegt glücklicherweise auch die größte Lektion. Denn regelmäßige Meditation macht uns eben nicht zu beseelt dauergrinsenden Hobby-Heiligen. Stattdessen erlauben wir dem Schmerz durch die Achtsamkeitspraxis einfach da zu sein, wir geben ihm die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die er braucht – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das ist als würden wir mit dem Finger fürsorglich über eine Schnittwunde streichen – um sie zart und vorsichtig zu versorgen. Worum geht es wirklich? Woran mangelt es gerade? Was brauche ich jetzt?  

Plötzlich erinnerte ich mich daran, wie sich all die intensiven und herausfordernden Momente der Vergangenheit letztlich immer irgendwann aufgelöst hatten. Und sich so manche schmerzhafte Situation mit etwas Abstand als Segen herausstellte. Bisher hatte das Leben immer gut für mich gesorgt. Warum also nicht auch jetzt ins Vertrauen gehen? Ich entschied mich für einen kleinen Rückzug (um niemandem unfreundlich auf die Füße zu treten) und akzeptierte einfach, dass ich überfordert war und mir wie ein eingerollter, stacheliger Igel vorkam.

In dem Moment, in dem ich meine eigene Bedrängnis anerkannte und ja, sie auch würdigte als natürlichen Teil von mir, wurde ich innerlich sofort weicher. Mit der Anerkennung der Enge steckte der Igel ganz vorsichtig seine Nase wieder in den Wind.

Der nächste Schritt war die bewusste Entscheidung, aktiv zu werden. Die Akzeptanz der Situation bedeutet nämlich nicht, sie einfach hinzunehmen und auszusitzen. Ganz im Gegenteil: Das Hinsehen hilft dabei, klarer zu werden und aus dieser freundlichen Klarheit Veränderungen zu initiieren.



So wandten wir uns lächelnd, aber bestimmt an die Hotelleitung und baten um ein neues Zimmer. Umgehend bekamen wir ein kostenloses Upgrade auf eine bezaubernde Villa mit eigenem Pool. Am Abend luden wir Freunde ein und feierten eine fröhliche, kleine Party. Ein Prosit auf das Vertrauen ins Leben!



Samstag, 5. Mai 2018

Yin & Yang Retreat auf Bali. Reisetagebuch. Teil 4

Kampf gegen den Müll - Unterwegs mit kleinen Helden

Wir waren gewarnt. Bali? So manches Mal wurde unser Reiseziel von Asienkennern mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert. Da fährt man doch nicht mehr hin! Überall Müll! Ja, es stimmt. Unser Wohlstands-Abfall ist hier wie in vielen Teilen Asiens ein riesiges Problem. Früher war alles in Bambusblätter eingepackt, konnte direkt am Wegesrand entsorgt werden. Heute liegen die Verpackungen immer noch auf der Straße. Allerdings wurden sie aus nicht verrottbaren Materialien von Konzern-Riesen wie Coca Cola, Danone und Nestlé hergestellt, und die sehen die Entsorgung selbstverständlich nicht als ihre Aufgabe an.




Wir sind froh, dass wir uns trotzdem wieder für ein Yoga-Retreat auf Bali entschieden haben. Denn hier treffen wir Menschen, die nicht maulen und Schuldige suchen, sondern anpacken und investieren. So wie die Deutschen Gisela von Keiser und Rainer Grenkowitz, die direkt neben ihrem Traum-Resort Bali Mandala in Bondalem aus eigenen Mitteln und Spenden eine Nachmittags-Schule für die Kinder der umliegenden Dörfer finanzieren.



In der Saraswati Mandala Environmental School bekommen die Fischer-Kinder seit knapp zehn Jahren gratis Englisch-Unterricht und ganz nebenbei wird ihnen spielerisch Bewusstsein für ihre Umwelt ins Herz gepflanzt. "Wir müssen die Eltern etwas austricksen", erzählt uns Juana, die gemeinsam mit ihrem Mann Christoph während ihrer Elternzeit ein Jahr an der Saraswati-Schule unterrichtet. "Umweltschutz ist den Balinesen noch fremd.Kaum ein Kind würde hier herkommen, wenn es nur darum ginge, daher betonen wir  den Schwerpunkt Englisch."



Aber den einheimischen Familien ist es eben ganz wichtig, dass der Nachwuchs Englisch lernt, denn das wird ihnen an den öffentlichen Schulen nicht beigebracht. So kommen täglich bis zu 30 Kinder in die privat finanzierte Nachmittags-Schule. Sie basteln Kunstobjekte aus Plastikflaschen, malen Tupfenbilder im abstrakt-expressionistischen Stil Jackson Pollocks, lernen die englischen Namen der heimischen Fische und erfahren, warum diese vom Müll im Meer bedroht sind.

Und obwohl doch genau dieses Meer die Lebensgrundlage der Fischerfamilien ist, ist es ihnen bei einem Monatsverdienst von umgerechnet ca. 150 Euro kaum verständlich zu machen, warum sie neben den Ausgaben für die bunt verpackten Industrie-Lebensmittel auch noch dafür bezahlen sollen, dass die Plastik-Reste von der Müllabfuhr abgeholt werden. Mal ganz abgesehen davon, dass der giftige Abfall womöglich auch dann nur irgendwo auf einer Deponie verbrannt wird, so wie es die Einheimischen mit ihrem Müll ohnehin schon tun. (Was unseren tiefen Atem während der Yogaklassen hin und wieder leider etwas einschränkte.)

Dank der Saraswati-Schule sammeln die Kids einmal die Woche als Mitglieder der Initiative  "Trash Hero" den angespülten und abgeworfenen Müll am Strand von Bondalem ein. Die 2013 von zwei Schweizern gegründete Umweltorganisation besteht heute aus Hunderten Freiwilligen - von Touristen bis Einheimischen, die asiatische Strände, aber auch westliche Großstädte regelmäßig von PET-Flaschen und Plastikmüll befreien.



Auch uns ist es ein Bedürfnis, den Balinesen für ihre Gastfreundschaft zu danken. Wir haben auf dem Strandabschnitt direkt neben unserem Resort gesammelt. Auf den knapp 50 Metern ist säckeweise Müll zusammengekommen. Und ja, vermutlich sieht es nächste Woche wieder genauso aus wie vor unserem Einsatz. "Eine echte Sisyphus-Arbeit", sagt die Lehrerin Juana bedrückt. "Manchmal fühlen wir uns hier mit unserem Anliegen ganz schön einsam."

Dabei ist jeder Schritt so unglaublich wertvoll! Für uns sind die Umwelt-Pioniere der Saraswati-Schule jedenfalls echte Helden. Unsere Gruppe ist sich einig, dass wir noch mehr geben können als Arbeitsmaterialien für die Kinder und einen Arbeitseinsatz am Strand.



Bei Mandala Yoga in Fürstenwalde gibt es demnächst einen Spenden-Workshop für die Saraswati-Schule. Ihr bekommt eine ausgiebige Einheit Yin Yoga (Wolfgang) und dynamisches Yoga (Beate).  Der Erlös geht komplett an das Schulprojekt. Den Termin erfahrt Ihr in Kürze!

Donnerstag, 26. April 2018

Yin & Yang Retreat auf Bali: Reisetagebuch. Teil 3

Von Schlangen & Schutzgöttern 





Wie eklig! Eine Schlange! Gerade hatten sie im Heiligen Wasser des Pura Tirta Tempels noch um die Erfüllung ihrer Wünsche gebeten. Jetzt stürzen ein Dutzend Touristinnen kreischend zum schützenden Beckenrand. Der ungebetene Eindringling schlängelt sich währenddessen unbeeindruckt durch die gesegneten Quellen und verschwindet zwischen den Steinen. 





Die ausländischen Gäste sind für einen Moment schock-starr. Die Balinesen bleiben cool. Schon Buddha soll auf seinem Weg zur Erleuchtung vor 2500 Jahren von einer Schlange beschützt worden sein. (Allerdings war das keine circa 30 Zentimeter lange und vollkommen ungiftige Wasserschlange, sondern eine sehr majestätische, mannshohe Kobra.) Außerdem gehört es für die Balinesen ganz selbstverständlich zu ihrem Glauben, dass kein Wesen zufällig an einem Ort ist, sondern den Segen des Platzes (mehr oder minder bewusst) für seine persönliche Entwicklung wählt.

Das ist wohl das größte Geschenk, dass wir hier bekommen. Wir dürfen teilhaben an allem, was den Balinesen heilig ist. Putu, unser empfindsamer Guide bemerkt sehr schnell, dass uns die mystische Tempelanlage zutiefst berührt, obwohl ich mich hinter meiner Sonnenbrille verstecke. Er lädt uns ein, mit ihm und seiner Gattin am späten Abend noch einmal wiederzukommen, um fernab vom Touristenstrom in den Heiligen Quellen zu baden - und zu beten. Für den Schrein hat Putus Frau in liebevoller Handarbeit Blumen-Gestecke gebastelt. Dogmatismus ist den Balinesen fremd, denn die meisten von ihnen praktizieren ohnehin eine eigenständige Mischung aus Hinduismus, Buddhismus und Schamanismus. Putu nimmt uns charmant jede Scheu. "Niemand muss hier unsere Götter anbeten", versichert er uns. "Verbindet Euch einfach mit dem, was Euch am Herzen liegt."
Die Stille, die wohlriechenden Opfergaben und die monumentalen steinernen Schutzgötter in der Dunkelheit: Der Zauber dieser Nacht wirkt lange nach.




Die Offenheit der Balinesen hat auch ihre Kehrseite - immer wieder begegnen uns Touristen, die die heiligen Statuen anfassen oder sich in sexy Posen vor den Tempeln fotografieren lassen. Für die Einheimischen ist die Schuldfrage schnell geklärt - aber ganz anders als wir das erwartet hätten. Putu: "Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass wir unsere Götter zu wenig ehren. Wir Balinesen müssen uns fragen, was wir falsch gemacht haben. Vielleicht haben wir zu wenig geopfert? Wie könnte es sonst sein, dass unsere wichtigsten Stätten so entweiht werden?"


Dabei gibt es nichts, was den Einheimischen wichtiger ist, als ihre Religion. Für jeden Berufszweig gibt es einen eigenen Tempel. Vom Markthändler bis zum Masseur - jeder bittet vor seinem Tagwerk die Götter um Unterstützung. Chauffeuer Putu besänftigt täglich den Geist der Straße. Sein Rezept für unfallfreies Fahren: "Wenn Du im Auto sitzt, aber deine Gedanken sind schon am Ziel, dann verpasst Du den Weg. Deshalb bleib immer da, wo dein Körper gerade ist. Fließe mit dem Strom! Und: Halte immer Augenkontakt zu allen Fahrern um Dich herum!" 


Heute reisen wir über die Berge zum Yoga-Retreat, beginnen unser Retreat im Bali Mandala Ressort im Norden der Insel. Hoffentlich beherzigt unser Busfahrer auf den Serpentinen Putus Rat!








  

Samstag, 21. April 2018

Yin & Yang-Retreat auf Bali - Reise-Tagebuch. Teil 2


"Guck Dir den Verrückten an!", brülle ich erschrocken und reiße Wolfgang am T-Shirt nach rechts, fast bis in den Straßengraben. Was ist denn los?, sagt der irritiert. Ich: "Der Typ sitzt am Steuer und liest. Aber sein Lkw fährt!" Jetzt bin ich kurz verwirrt, weil Wolfgang sich vor Lachen den Bauch hält. "Beate: Hier gilt Linksverkehr, der Typ mit der Zeitung ist der Beifahrer."

Ok. Fehlalarm. Aber immerhin habe ich versucht, meinem Freund das Leben zu retten! Und jetzt denke ich zumindest daran, bei dem auf Bali hin und wieder lebensbedrohlichen Unterfangen die Straßenseite zu wechseln, wirklich immer zuerst nach rechts und dann nach links zu sehen. Die Einheimischen sind hier zu Dutzenden auf Zweirädern unterwegs und benötigen offensichtlich keine Verkehrsregeln. Sie machen lieber durch wildes Hupen auf sich aufmerksam. Es gibt kaum Ampeln (erst recht keine für Fußgänger) und wo die seltenen Exemplare doch hängen, scheint es zum guten Ton zu gehören, sie zu ignorieren.




Aber um ehrlich zu sein, die balinesischen Mopedfahrer sind nicht das Problem. Leider weiß man nie, ob ein Einheimischer oder ein Tourist unter dem Helm steckt. Bei Letzterem muss man gewappnet sein und wenn nötig einen beherzten Sprung zur Seite machen. Zur Unsicherheit ob der unklaren Regeln verdammt, versperrt der ängstliche Tunnelblick die Sicht nach rechts und links. Nur Pech, wenn ausgerechnet wir im toten Winkel sind.

Nur gut, dass es in Ubud jede Menge Orte gibt, um entspannt durchzuatmen. Dabei kommt es allerdings darauf an, in welchem Laden wir gerade Schutz suchen. Denn nicht alle sind zur Regeneration geeignet.



Während eine frische, eisgekühlte Kokosnuss in einem Café genau das erledigt, was wir von ihr erwarten, nämlich aufpäppelt und wieder straßen- und hitzetauglich macht, sind andere Geschäfte dafür weniger geeignet. So ist mein Lieblings-Klamottenladen "Buddha Wear" ein Ort, an dem meine ganze Aufmerksamkeit gefordert ist, damit ich nicht das ganze Reisebudget schon am zweiten Urlaubstag versenke.



Aber immerhin: Hier werden alle Mitarbeiter, von der Näherin bis zur zauberhaften Verkäuferin (Foto) fair bezahlt, die Stoffe sind nicht nur schick, sondern auch bio - ich zahle dafür einen angemessenen Preis und muss vorher auch nicht feilschen, so wie es auf den balinesischen Märkten Pflicht ist.
Aber wer will schon bei einem T-Shirt für 119.000 indonesischen Rupiah (umgerechnet ca. 7 Euro) den Preis drücken, wenn der Verkäufer davon den Lebensunterhalt für sich und seine Familie bestreiten muss?

Da wäre noch eine Sache, die man hier nicht oft genug wiederholen kann: die balinesische Massage. Nachdem ich mich im Shambala Spa bereits nach zehn Minuten irgendwo im Land der Träume wähnte und Wolfgang in Putuh seinen Meister gefunden hat, haben wir uns entschlossen, die Dienste der hiesigen Massage-Fachkräfte alle zwei Tage in Anspruch zu nehmen. Der überschaubare Preis für anderthalb Stunden: 170.000 indonesische Rupiah, umgerechnet knapp 10 Euro.
Unsere Termine bis zur Weiterreise ins Bali Mandala Retreatcenter sind bereits fest gebucht. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob die deutschen Finanzbeamten so wie wir der Meinung sind, dass ausgedehnte Massagen für Yogalehrer als Arbeitsvorbereitung ein Must have sind.



Wart Ihr schon auf Bali? Wenn nicht, was hält Euch davon ab? Und wenn ja: Was bleibt unvergessen? Ich freue mich, in den Kommentaren von Euch zu lesen.

Herzlichst, Beate

Donnerstag, 19. April 2018

Yin & Yang Retreat auf Bali - Reisetagebuch 2018


Anreisetag: Wie aus der Kröte ein schöner Schwan wurde 

 Na, das geht ja gut los! Noch nicht mal am Abflughafen angekommen,  durften Wolfgang und ich uns bereits entscheiden - Stirn runzeln und poltern oder zuhören und annehmen.

Die Mail der Fluggesellschaft verhieß nichts Gutes. Leider müssen wir Sie umleiten. Sie fliegen später, über andere Orte, mit kürzeren Umsteigezeiten und ohne, dass wir Sie bequem und zeitsparend bis Bali durchbuchen können. So hieß es sinngemäß im Text. Die Dame am Lufthansa-Schalter war eher verhalten als zuversichtlich. Sie guckte mitleidig, wünschte uns „viel Glück“ und drückte feste beide Daumen, dass wir alle Anschlüsse erreichen. 

In Wien ging uns auf, warum: Wir hatten 20 Minuten Zeit bis zum Start der Maschine, aber einen Fußmarsch von 35 Minuten quer durchs Flughafen-Gebäude zu absolvieren. Sprints sind mir seit je her ein Gräuel. (Von Wolfgangs gekeuchten Flüchen möchte ich hier aus Freundschaft schweigen.) Durchgeschwitzt und derangiert kamen wir am richtigen Schalter an. 

Und während Wolfgangs Rucksack noch ausführlich nach Sprengstoff durchsucht wurde, ging für mich am Wiener Check In die Sonne auf. Im breiten Schmäh und mit beruhigendem Lächeln versicherte mir der Mitarbeiter, wie froh er wäre, dass wir da seien. Wir würden schon erwartet. Er war so mitfühlend und zugewandt, dass ich mich augenblicklich wie zu Hause fühlte. (Habt Ihr Euch schon mal auf einem Flughafen wie zu Hause gefühlt? Also ich noch nie...)

Die ganze Aufregung - in einem Moment zum nächsten einfach verpufft.

Wir bekamen nicht nur gemütliche Plätze ohne direkte Nachbarn, sondern auch ein großzügiges Upgrade auf eines der modernsten Emirates-Flugzeuge dieser Zeit. Und darüber hinaus alles, was das Langstreckenflieger-Herz begehrt: passables Essen, aktuelle Filme und Internetzugang gegen die Langeweile.

Wie gut, dass wir uns keine Sekunde mit Nörgeln oder schlechter Laune aufgehalten haben. Das Einlassen, auf das, was wir ohnehin nicht ändern können, hat sich gelohnt. 

Wie so oft im Leben hat sich die zunächst unansehnliche Kröte innerhalb kürzester Zeit in einen schönen Schwan verwandelt.